Eine Kristallkugel? Jeder möchte mal ein Blick da rein werden. Das ist einfacher, als Sie denken – für jeden Fotografen! Mit dem Glasball können Sie ungewöhnliche Bilder kreieren. In diesem Artikel gibt uns Pieter Dhaeze eine Erklärung zu den kreativen Möglichkeiten, mit diesem speziellen Zubehör zu fotografieren.

Ein Objektiv auswählen

Das Fotografieren mit einem Glasball bietet viele kreative Möglichkeiten. Das Arbeiten mit dieser Kugel kann sehr einfach sein. Nehmen Sie ihn in Ihre Hand, suchen Sie nach einem geeigneten Motiv und machen Sie ein Foto. Denken Sie daran, dass die Kugel eigentlich ein Weitwinkelobjektiv ist und Sie deswegen manchmal sehr dicht zum Motiv stehen müssen, um den gewünschten Effekt zu erhalten. Die Entfernung von der Kamera bis zum Ball und der Schwerpunkt des Objektivs spielen ebenfalls eine Rolle darin, was im Endeffekt auf dem Foto zu sehen ist.

Pieter Dhaeze

Wenn Sie irgendeinen Kontext haben wollen, dann wählen Sie am besten ein Makroobjektiv. Das produziert überraschende Ergebnisse, hat aber auch seine Grenzen. Die Tiefenschärfe wird klein sein und ein Objektivball ist nur in der Mitte zu 100% scharf. Je näher der Rand kommt, desto mehr wird die Schärfe von Verzerrungen und Aberrationen minimiert.

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Es macht viel mehr Spaß, den Glasball mit seiner Umgebung zu sehen. Das sorgt nämlich für sehr spezielle Effekte. Der Nachteil ist, dass man dann auch Ihre Hand oder die Halterung sieht. Leider können Sie den Ball nicht zum Schweben bringen. Allerdings muss eine Hand oder ein Halter kein störendes Element sein und kann sogar zu der menschlichen Größe beitragen. Sie können ganz einfach ein Foto mit Kontext mit einem Standard-Zoomobjektiv machen, also einem 18-55 mm oder einem 18-135 mm. Dann fotografieren Sie ungefähr von einer Entfernung von einem halben Meter und können die sichtbare Umgebung mit dem Zoom regulieren.

Kurzer Fokusabstand

Bitte denken Sie daran, dass Sie mit dem kürzesten Fokusabstand des Objektivs arbeiten, wenn Sie die Kugel damit fotografieren. Wenn Sie dichter gehen, können Sie nicht fokussieren. Mit Weitwinkelobjektiven sind Sie etwas dichter. Teleobjektive haben oftmals einen größeren kurzen Fokusabstand.

Der Objektivball in der Praxis

Wie funktioniert das genau in der Praxis? Sie lernen am besten, wenn Sie einfach anfangen. Genauso haben wir es auch gemacht. Wir haben auch bemerkt, dass es einfach ist, wenn die Kamera auf einem Stativ steht. Sie werden feststellen, dass eine kleine Veränderung im Kamerawinkel eine große Auswirkung für das Bild in der Kugel hat. Indem Sie ein Stativ nutzen, können Sie Ihr Motiv ziemlich genau einrahmen.

Für den praktischen Test haben wir auch sichergestellt, dass der Objektivball an einen festen Punkt aufgestellt werden kann. Ein Kugelfuß auf einem Schnellspanner eines Stativs ist praktisch. Befindet sich der Ball auf einer glatten Oberfläche? Dann wirkt ein Stück doppelseitiges Montageband Wunder gegen das Wegrollen. Ist die Oberfläche flach, aber nicht glatt? Verwenden Sie ein Stück Kaugummi, um den Ball an Ort und Stelle zu halten und ihn vor Kratzern durch die Oberfläche zu schützen.

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Wir waren mit unserer EOS 80D mit einem EF-S 18-135 mm STM (kürzester Fokusabstand: 39 cm Vergrößerung 1:3,6) und mit einem EF-S 10-18 mm STM (kürzester Fokusabstand: 22 cm Vergrößerung 1:4,5) unterwegs. Der Unterschied zwischen Brennweite und Fokusabstand zwischen diesen beiden Objektiven ermöglicht eine unendliche Variation des Verhältnisses der Linsenkugel zu ihrer Umgebung und der Tiefenschärfe. Eine Reise mit einer PowerShot G7X (24-100 mm, 1.8-2.8) zeigt, dass diese Kamera auch für die Fotografie mit dem Objektivball geeignet ist, da neben einem praktischen Zoombereich auch ein Weitwinkel-Makro zur Verfügung steht.

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Mein Rat ist, immer in der Live-Ansicht zu arbeiten. Auf diese Weise können Sie den Rahmen genau und scharf einstellen. Letzteres ist am besten mit der Bildvergrößerung möglich, so dass Sie den tatsächlichen Fokuspunkt gut sehen können. Sie können manuell fokussieren, aber auch mit dem Autofokus erzielen Sie hervorragende Ergebnisse bei der Bildvergrößerung. Der Av-Modus mit mittenbetonter Belichtungsmessung und Belichtungskorrektur gibt Ihnen die Kontrolle über Belichtung und Schärfentiefe. Bei großen Öffnungen ist das Bild in der Glaskugel visuell ziemlich scharf und der Hintergrund ist verschwommen. Möchten Sie die Umwelt scharf halten? Wählen Sie dann kleinere Blendenöffnungen. Wir haben einen Fokusstack bei einer großen Blende erstellt, wodurch das Ballbild schärfer wird und der Hintergrund unscharf bleibt.

Normalerweise ist die Kamera im RAW-Modus und wir haben 100% Kontrolle über Belichtung, Kontrast, Farbe und Schärfe im Lightroom. Das Retuschieren von Flecken kann ebenfalls im Lightroom gemacht werden, aber es kann auch nützlich sein, Photoshop zu nutzen, damit der Kugelfuß oder ein Tape entfernt werden können.

Kreative Optionen mit dem Objektivball

Mit der richtigen Kombination an Motiven, Hintergründen, Licht und Objektiven können Sie überraschende und unverwechselbare Ergebnisse dank des Objektivballs erschaffen. Der Glasball kann auch während Sonnenuntergängen und in der Abendfotografie verwendet werden. Noch toller ist, wenn Sie mit einem Spiegel oder einer Pfütze kreativ werden, sodass das Bild verkehrt herum und mit speziellen Effekten ausgestattet wird.

Tipp: Fragen Sie einen Freund oder eine Freundin und gehen Sie zusammen raus. Ein extra Paar Hände kann sehr praktisch sein, wenn Sie unterwegs sind!

Zusammenfassung zum Objektivball

Eine Glaskugel, nicht zum Wahrsagen, aber zum Fotografieren. Wir waren angenehm überrascht von all den Möglichkeiten und hoffen, dass Sie genauso aufgeregt sein werden, nachdem Sie diesen Artikel gelesen haben. Der Objektivball wird zum unverzichtbaren Zubehör in Ihrer Fototasche werden (ca. 700 Gramm, 8 cm), damit Sie immer einen anderen Blick auf ein Motiv zur Hand haben!

 
Pieter Dhaeze

Pieter Dhaeze

Pieter Dhaeeze kam 1996 das erste Mal mit digitaler Fotografie in Kontakt (Agfa ePhoto 307) und seitdem hat er seine Erfahrungen und Kenntnisse durch den nationalen Computer und Fotomagazine geteilt. Als bildender Fotograf hat er seit 2009 zu der bildenden Fotografieplattform EOSzine beigetragen. Er schreibt Artikel über Kamera-Tools, Fotomotive und Bildbearbeitung (Lightroom und Photoshop). Er ist außerdem der Autor des Fotobuches der Van Duuren Media und ein Dozent in digitaler Fotografie an der LOI.